Crowdsourced-Archiv, das die zum Schweigen gebrachten Stimmen in Deutschland dokumentiert.
Nr. Datum der Silencing Institution Verstummte Person / Organisation
29.06.2026 Uniklinik Köln 26-06-29_IPPNW Köln (Regionalgruppe Köln der Internationalen Ärzt:innen für die Verhütung des Atomkriegs)
Summary:

"Die Kölner Regionalgruppe der IPPNW (Internationale Ärzt:innen für die Verhütung des Atomkrieges) hatte für den 2. Juli 2026 ein Symposium zur humanitären Situation im Gazastreifen mit dem Titel „Gaza – Wie ist medizinische Hilfe noch möglich?“ in einem Hörsaal des Universitätsklinikums Köln geplant. Als Referent:innen eingeladen waren VENRO bzw. CARE Deutschland, medico international sowie die Initiative Re-Move Kids. Diese sollten Beiträge halten zu den Fragen „Wie kann humanitäre Hilfe besser nach Gaza kommen?“ und „Wie kann Kindern bei einer Evakuierung nach Deutschland geholfen werden?"".

Etwa eine Woche vor dem Termin sprach Timo Mügge, Leiter der Unternehmenskommunikation der Uniklinik Köln, ein Raumverbot aus und begründete dies damit, dass durch die Veranstaltung die erforderliche „Neutralität"" der Klinik nicht mehr gewahrt sei. Eine inhaltliche Auseinandersetzung oder ein Gespräch lehnte er laut IPPNW Köln ab. Bei einem Gespräch mit der Rechtsabteilung der Uniklinik zog sich diese auf einen formellen Standpunkt zurück, dass die Uniklinikräume nur für Lehre, Forschung und klinische Versorgung zuständig sei und nicht für den gesellschaftlichen Diskurs. Gegenüber der taz erklärte die Uniklinik: „Die Uniklinik Köln ist zu politischer Neutralität verpflichtet."" Was genau damit gemeint sei, blieb auf Nachfrage unbeantwortet. Aus Sicht von IPPNW stellte die Absage aus diesen „formalen"" Gründen keine Neutralität dar, sondern verhinderte faktisch Information und Diskussion über humanitäre Hilfe und sei angesichts menschlichen Leids selbst keine neutrale Haltung.

Die Veranstaltung fand schließlich am 23. Juli 2026 verlegt an die benachbarte Universität zu Köln und unter dem leicht veränderten Titel „Gaza – Humanitäre Situation und Möglichkeiten der medizinischen Hilfeleistung“ statt."